Daheim beim Kanzler

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Kanzlerbungalow im Jahr 1979Ein modernes Gebäude aus Klinkerwänden, viel Glas und einem Flachdach. Modern möchte man sagen, doch wurde der Bungalow 1964 schon gebaut. Wichtige Menschen gingen dort ein und aus, Könige, Staatschefs und berühmte Dichter. Sehen konnte dies der einfache Bürger jedoch nur im Fernsehn, und wer die Vorgeschichte kannte, wusste, dass Kanzler Ludwig Erhard den Bau 1963 in Auftrag gegeben, dafür einen renommierten Architekten angestellt und viel Ärger wegen überhöhter Kosten bekommen hatte. Das war aber auch im Grunde alles, was der kleine Mann wusste: Der Kanzlerbungalow blieb eine Art Staatsgeheimnis, das irgendwo am Rhein gut gesichert und verborgen wurde - bis jetzt. Am Dienstag (14.04.09) durften Journalisten zum ersten Mal hinter die Gardinen blicken.

Doch so einfach war dies auch nicht. Nachdem der Bungalow neun Jahre leer gestanden hatte, musste er zunächst renoviert werden. Um die Sanierung kümmerte sich Hans Walter Hütter, Direktor des "Haus der Geschichte" und zuständig für Historie rund um den Bungalow. Es sah alles schrecklich aus, so Hütter. Und den Rhein konnte man auch nicht sehen, die Panzerglasscheiben waren wohl so verdreckt. Da horcht man auf. Panzerglasscheiben? Diese dienten damals zum Schutz des Ehepaars Schmitdt (Helmut Schmitdt war von 1974 - 1982 der fünfte Bundeskanzler), da es aufgrund der Terrorgruppe Roten Armee Fraktion, RAF, in den Jahren 1975-78 stark bedroht war.

Aber heute noch ist fast alles so, wie es zu Zeit Helmut Schmitdt war. Die Besucher dürfen in den Sesseln sitzen, in denen berühmte Staatsmänner und -frauen gesessen haben und durch schmale weiße Gänge wandern. Helmut Schmidt hat in diesem Haus die Mogadischu-Krisengespräche geführt, Günther Grass hat vor lauter Freude über den SPD-Wahlsieg Egon Bahr geküsst, und unten auf der Balustrade am Rhein hat Helmut Kohl mit Gorbatschow gesessen.

Wer sich also für Politik, deutsche Geschichte und besonders für die Geschichte Bonns interessiert, sollte sich diese Chance nicht entgehen lassen.

Ab Mai steht der Kanzlerbungalow allen Interessierten offen. Gruppen können sich beim Besucherdienst des Hauses der Geschichte (Tel. 0228/9165-400) oder unter Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. anmelden; spontane Besuche sind jeweils sonntags ab 14 Uhr möglich. In beiden Fällen werden die Besucher, die ihren Personalausweis mitbringen sollten, begleitet; die Besichtigung selbst ist kostenlos.

 

 

 

 

 

 

 



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