Jugend in der DDR

Achtung, öffnet in einem neuen Fenster. PDFDruckenE-Mail

War die Jugend in der DDR wirklich so anders als in der Bundesrepublik Deutschland?

„Sport frei!“ Das klingt heute noch in meinen Ohren, wenn ich an meine Grundschulzeit in Sachsen-Anhalt denke. Doch woher kommt dieser Ausruf eigentlich? Hier „im Westen“ habe ich es im Sportunterricht noch nicht erlebt, dass wir uns in einer Reihe, der Größe nach sortiert, aufstellen müssen und alle gemeinsam „Sport frei“ rufen. Liegt es daran, dass das heutige Sachsen-Anhalt zur DDR gehörte und 20 Jahre nach der Wiedervereinigung in diesen kleinen Momenten noch die alte sozialistische Erziehung durchblickt? Auch Fächer wie Werken oder Schulgartenunterricht kenne ich aus dieser Zeit.

 

Am Anfang muss man sagen, dass Jugend nicht gleich Jugend ist, egal in welchem Land. Daher kann man „Jugend“ in der DDR nicht verallgemeinern. Die Jugend von jemandem der staatskonform war, verlief anders, als die eines Jugendlichen, der etwas gegen den Staat und die Politik auszusetzen hatte. Auch der Unterschied von Jugend in Ost und West ist kleiner als man denkt. Heutzutage ist ja auch die Jugendzeit in Deutschland nicht wesentlich anders als die in Frankreich. Im Prinzip war sie in ihren Grundzügen doch gleich. Man hatte Träume, was man vielleicht alles machen wollte, man mochte eine Sportart und drückte einem bestimmten Verein bei Wettkämpfen die Daumen. Wie auch im Westen wiedersetzte man sich auch manchmal seinen Eltern.

„Der einzige Unterschied zur Bundesrepublik Deutschland war, dass man in der DDR nicht seine Meinung öffentlich vertreten konnte. Sonst war die Jugendzeit ziemlich gleich.“, meinte der Vater meiner Freundin, der in der DDR groß geworden ist. Oft war es dann doch nicht so einfach, da Jugend nicht gleich Jugend war. Es machte meistens schon einen Unterschied aus, ob man Mitglied der FDJ war oder nicht. Die FDJ wurde nach dem Krieg gegründet und diente am Anfang dazu den demokratischen Aufbau zu unterstützen. Aber ab der Gründung der DDR am 7. Oktober 1949 war sie das wichtigste Erziehungsinstrument der SED. Sie sollte die Kinder und Jugendlichen im Sinne des Sozialismus erziehen. Es wurden zum Beispiel Konzerte, Sommerlager und Discobesuche vom Staat organisiert und durchgeführt. Doch trotzdem gab es viele die nicht Mitglied waren. Von außen her gesehen, war die Mitgliedschaft bei der Freien Deutschen Jugend freiwillig. Aber wer nicht Mitglied war, musste damit rechnen später im Berufsleben keine Chance auf eine gute Karriere zu haben. Es gab aber auch diejenigen, die nicht in der FDJ waren. Sie waren dann z.B. stark in der Kirche engagiert. Aber auch dort gab es Unterschiede. Vielen wurde wegen der Kirchenzugehörigkeit der Weg in eine gute berufliche Zukunft verwehrt. Das betraf so auch die Studienplatzvergabe. Wer es trotzdem schaffte, konnte später im Beruf Schwierigkeiten bekommen. Meine ehemalige Klassenlehrerin auf dem Gymnasium in Zeitz hatte zum Beispiel große Schwierigkeiten in der DDR Theologie zu studieren. Das wirkt sich insofern bis heute aus, dass sie als Musik-und Deutschlehrerin Probleme bekam, als sie mit dem Chor Weihnachtslieder in der Schule aufführen wollte. Das war im Jahr 2004!

Doch trotzdem suchte man den Kontakt zum Westen. Man wollte die CDs von bestimmten Sängern und Bands haben, auch Jeans waren heiß begehrt. Und wer Verwandte im Westen hatte, bekam ab und zu auch ein sogenanntes Westpaket mit lang ersehntem Inhalt. So wunderte es vielleicht manchen Sänger nach der Wende, wenn er sein erstes Konzert in den neuen Bundesländern gab, dass die Leute seine Lieder schon kannten. „ Ich freute mich immer, wenn uns unsere Verwandten aus dem Westen Wassereis schickten. Das gab bei uns nicht.“ bekam ich von der Mutter meiner Freundin erklärt, die ihre Kinder-und Jugendzeit in der DDR erlebte. Doch die Verwandten zu sehen war schwerer. Wenn zum Beispiel der Opa im Westen starb, durfte seine Familie nicht zur Beerdigung.

Dem DDR Regime war klar, dass sie ohne gebildete Bürger keine große Chance auf dem internationalen Markt hatten und so wurde ein großer Wert auf die Bildung der Jugendlichen gelegt. Die Schüler durchliefen in der DDR meistens eine schwierigere Schullaufbahn als im Westen, denn nur wer gut in der Schule war, hatte später Chancen auf einen guten Beruf. In den Schulen wurde viel auf Chancengleichheit gelegt. Doch trotzdem war klar, dass Kinder von Partei-und Staatsfunktionären bessere Chancen hatten. Man wollte die Kinder vielfältig fördern und so gehörten auch Wehrunterricht (Granatenweitwurf), Staatsbürgerkunde, Schulgarten und Werken zu den Schulfächern. Letztere kenne ich noch aus meiner Grundschulzeit und fand es angenehm, auch mal eine Stunde im Garten zu arbeiten statt immer nur im Klassenraum zu sitzen. Um Zu den Abiturklassen zugelassen zu werden, musste man nicht anders als heute gut in der Schule sein. Heute wählen die Jungen nach dem Abitur, ob sie 9 Monate Zivil-oder Wehrdienst leisten möchten. In der DDR konnte man nicht wählen, es galt allgemeine Wehrpflicht. Zwar gab es die Möglichkeit ein sogenannter Bauernsoldat zu werden, doch dann waren auch hier die Chancen auf eine gute Berufslaufbahn eher schlecht.

Viele Dinge sind seither anders geworden. Doch das Deutschland geteilt war, steht nicht nur in den Geschichtsbüchern, sondern wird in kleinen Augenblicken im Alltag immer noch deutlich. Und so klingt es weiter aus ostdeutschen Sporthallen „Sport frei!“



Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren