CD-Review: Imperfect Harmonies

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Interpret: Serj Tankian
Album: Imperfect Harmonies
Land: Armenien/ USA
Jahr: 2010
Genre: Piano Rock / Hard Rock

Serj Tankian, SĂ€nger der amerikanisch-armenischen Band System of a Down sorgt derzeit mit seinem zweiten Soloalbum auf sich aufmerksam. Viele Fans erwarteten vom gebĂŒrtigen Armenier nach seinem sehr rockigen Album "Elect the dead" (2007) etwas Ă€hnliches, wenn nicht etwas hĂ€rteres, schlugen doch die Alben von System of a Down allesamt in den Bereich des Alternative-Metal und damit in eine deutlich hĂ€rtere Kerbe der Musik als es Tankians neues Album Imperfect Harmonies tut. Auf dem neuen Album erwartet den Hörer nĂ€mlich eine Mischung vieler Stile, von armenischem Folk ĂŒber getragene Balladen bis hin zu Rock.
Und so beginnt Imperfect Harmonies auch: Rockig. Disowned Inc. heisst der erste Song der Platte. Die ersten Sekunden erhalten den Eindruck eines klassischen Rock-Titels mit Orchesteruntermalung auch aufrecht, dann vertönen alle Instrumente mit Ausnahme eines Klaviers und eine der charakteristischsten Stimmen der heutigen Rockszene erklingt und singt von einer verlorenen Liebe. Das gesamte Lied ist sehr emotional aufgebaut, es bietet als erstes Lied einen guten Vorgeschmack auf das was einen die nÀchsten 44 Minuten erwarten wird.
Dann folgt auch schon das zweite Lied mit Namen Borders are..., ein Lied in dem Tankian Ängste und persönliche Erfahrungen besingt. Letztere ziehen sich wie ein roter Faden durch das gesamte Album. Borders are... beginnt mit einer (im Vergleich zu frĂŒheren System of a Down-Zeiten) sehr sanften Stimme, die Melodie ist sehr ruhig, beides steigert sich im Verlauf des Liedes jedoch zu einer mĂ€chtigen, von Streichern getragenen Hymne, die definitiv Ohrwurmpotenzial hat.
Deserving? ist der Name des dritten Songs der Platte, er startet mit einer langsamen Gitarrenmelodie und einer Stimme die sehr verzerrt ist. Doch die Verzerrung hĂ€lt nur die ersten 10 Sekunden an, danach entfaltet sich Serj Tankians Stimmvolumen das im Refrain seinen Höhepunkt findet. Das Thema des Liedes ist die von Tankian fast rasend wiederholte Frage ob er die im Lied angesprochene Person wirklich verdient, auch dieses Lied ist ein ganz großes.
Das nĂ€chste Lied, Beatus, beginnt wieder mit ruhigen Gitarren- und KlavierklĂ€ngen, darunter mischt sich ein unauffĂ€lliger und keinesfalls störender Synthesizerbeat, welcher die ganze AtmosphĂ€re und das Lied ĂŒber das wiederkehrende Thema der Liebe (welches dieses Mal nur etwas dĂŒsterer in Erscheinung tritt) sehr gut untermalt. Doch Tankian versteht es auch, AtmosphĂ€ren zu wandeln. Kurze Abschnitte lang erklingen wilde OrchesterklĂ€nge, das ganze Thema bekommt einen etwas kriegerischen Unterton, ohne den das Lied vermutlich auch langweilig wirken wĂŒrde. Tankians Stimme wirkt sehr emotional und melancholisch, vor allem als er die Textzeile "This city has become your face / strangling myself in my silence" anstimmt. Entweder liebt man dieses Lied, oder man mag es gar nicht. Ich tue ersteres, meiner Meinung nach ist Beatus schlichtweg grandios.
Reconstructive Demonstrations ist dann doch etwas anders. Mehr elektronische Spielereien und ein direkterer Einstieg sind zwar positive Punkte, doch ich bin sicher nicht der einzige dem der Text dieses Liedes etwas zu pathetisch ist. Viel zu aufgeblasen wirkt das bis dahin gute Songwriting des Armeniers bekommt hier einfach den Beigeschmack des erhobenen Zeigefingers. Lyrisch einer der Tiefpunkte des Albums, dafĂŒr ist die Musik gut.
Der nĂ€chste Titel, namentlich Electron, beginnt wieder mit den (mittlerweile) bekannten Streichern, es setzt ein Drum'n'Base-Beat ein und Tankian singt wieder, etwas dĂŒsterer als sonst. Es klingt doch etwas anders als alles davor und doch geht einem das GefĂŒhl nicht aus dem Kopf das man das alles schon kennt. Alleinstehend ist Electron sehr gut gemacht, vor allem der Refrain geht gut ins Ohr. Doch eingebunden in das Album kommen einem die Melodien, Tankians Stimme und die Streicher doch reichlich bekannt vor.
Doch das nĂ€chste hoch folgt schon mit Gate 21. Zwar ist der Text altbekannt, es geht wieder um die Liebe, doch das vollstĂ€ndige Fehlen von Rhytmuselementen und eine unglaublich intensive Stimme Tankians machen dieses Lied zu einem ganz besonderen Erlebnis, das man mit guten BĂŒgelkopfhörern geniessen sollte, es wirkt einfach viel greifbarer und intensiver. Einer meiner Höhepunkte des Albums!
Wer dachte das es nach Gate 21 nicht mehr besser kommen könnte, fĂŒr den kommt extra nochmal das Lied Yes, It's Genocide. Komplett auf Armenisch gesungen, beeinhaltet dieses Lied nur 4 Textzeilen, die von Tankian immer wiederholt werden. Inhaltlich geht es um den Völkermord an den Armeniern, der von einigen Regierungen der Welt immer noch verleumdet wird. Mehr AtmosphĂ€re geht nicht, Klavier und eine Frauenstimme machen dieses Lied zu etwas ganz besonderem.
Und auch Peace be Revenged ist ein Highlight. Wieder ein Lied ĂŒber den Krieg, das Schlagzeug spielt im Takt eines Marsches, dazu spielen Geiger und das ĂŒbliche Klavier, welches hier aber nicht so hervorsticht wie in (fast) allen anderen Songs. Man merkt das Tankian hier mit Leidenschaft dabei war, bei manch anderem Lied (Reconstructive Demonstrations, z.B. )war das fragwĂŒrding. Aber das neunte Lied des Albums ist auch eines der besten.
Das dĂŒstere Left of Center ist das einzige wirklich rockige Lied auf dem Album, es ist einfach etwas anderes auch mal elektrische Gitarren zu hören. Ausserdem schließt es an Tankians letztes grandioses Album Elect the dead an, durch seinen Klang ist es auf dem neuen Album sehr erfrischend und gefĂ€llt dadurch durchaus.
Das letzte Lied Wings of Summer ist nochmal ein schöner Höhepunkt, verzichtet es doch sowohl auf Klavier als auch auf Rhytmus. Geige und begleitende Frauenstimme sprechen fĂŒr sich, lyrisch dreht sich alles wieder um die Liebe, nur ist das letzte Lied der Platte viel dĂŒsterer. Man kann es sehr gut hören, als Abschluss eignet es sich in jedem Fall und auch Tankian zeigt nochmal was er drauf hat.

Abschließend kann man zu Imperfect Harmonies zwar sagen das es ein relativ gutes Album geworden ist aber eben auch, das mehr Vielfalt hier sicher Wunder gewirkt hĂ€tten. Besonders am Anfang sind die Unterschiede zwischen den Liedern nur marginaler Natur, hier mĂŒsste  sich Tankian fĂŒr sein nĂ€chstes Soloalbum deutlich  verbessern. Denn so bleibt ein etwas bitterer Nachgeschmack zwischen wirklich, wirklich großartigen StĂŒcken wie  Yes, It's Genocide, Wings of Summer oder Peace be Revenged. Trotz seiner SchwĂ€chen erhĂ€lt das Album wegen Tankians großartiger Stimme, dne schönen Melodien, der guten AtmosphĂ€re und dem annĂ€hernd perfekten Yes, It's Genocide noch sehr gĂŒtige 7 von 10 Punkten.



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