Was Guttenberg von Käßmann unterscheidet

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Karl-Theodor zu Guttenberg tritt zurück und wird wohl bald zum Märtyrer stilisiert – zu Unrecht… Ein Kommentar




Manch einer mag sich noch an Margot Käßmann erinnern. Die damalige Vorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland war am 20.Februar 2010 mit 1,5-Promille Alkohol hinter dem Steuer erwischt worden. Am 23.Februar wurde der Fall öffentlich. Noch am selben Tag bereute sie ihren „schlimmen Fehler“ und nannte ihr Verhalten „gefährlich und unverantwortlich“, am nächsten Tag trat sie von allen Ämtern zurück. Sie gesteht ihre Schuld voll und ganz ein.

Der abenteuerliche Weg bis zum Rücktritt

Karl Theodor zu Guttenberg schrieb 2007 seine Doktorarbeit. Am 16.Februar 2011 stellte ein Bremer Staatsrechtsprofessor fest, dass mehrere Passagen daraus weitgehend wörtlich und ohne Kennzeichnung aus anderen Texten übernommen worden waren. Inzwischen wurden auf 273 der 476 Seiten solch „abgeschriebenen“ Stellen gefunden.

Noch am selben Tag bezeichnet der damalige Verteidigungsminister die Plagiatsvorwürfe als „abstrus“. Zwei Tage später möchte er „vorübergehend, ich betone, vorübergehend auf das Führen des Titels“ verzichten. Weitere drei Tage später gibt er „gravierende, handwerkliche Fehler“ zu und gesteht „möglicherweise an der ein oder anderen Stelle auch teilweise den Überblick über die Quellen verloren“ zu haben.

Eine weitere gute Woche danach gibt Guttenberg seinen Rücktritt bekannt, denn: „Ich habe wie jeder andere auch zu meinen Schwächen und Fehlern zu stehen. (…) Und mir war immer wichtig, diese vor der Öffentlichkeit nicht zu verbergen.“ All jene, die seine Exkulpationsbemühungen der letzten Tage verfolgt haben, müssen diese Sätze als lächerlich empfinden.

Und selbst im Rücktritt: keine Reue

Karl Theodor von und zu Guttenberg hat keine „handwerklichen“ Fehler begangen. Wer schon seine Einleitung, den persönlichsten Teil einer Dissertation, fast wörtlich aus einem FAZ-Artikel übernimmt, tut dies nicht aus Versehen. Das gleiche gilt für die mindestens 270 weiteren Stellen – 270-mal einfach nur die Fußnoten vergessen?!

Guttenberg hat also bewusst versucht zu täuschen. Er ist somit ein Betrüger. Und Betrug sollte in unserer Gesellschaft niemals zu einem Kavaliersdelikt herabgestuft werden.

Sicher, jeder Mensch kann Fehler begehen, jedermann verdient eine zweite Chance. Doch Guttenberg steht nicht zu seinen „Schwächen und Fehlern“, er rückte nur scheibchenweise mit der Wahrheit heraus und bekennt sich bis heute nicht zu seiner Schuld: Er bereut an keiner Stelle den Betrug bei seiner Arbeit, sondern entschuldigt sich nur bei alle jenen die er durch seine „Fehler und Versäumnisse verletzt habe“.

Der Rücktritt von Margot Käßmann war ein honorables Vorbild für aufrechtes Handeln, der von Guttenberg nur ein verzweifelter Schritt zur Rettung seiner zukünftigen Karriere (siehe Strauß).

In den Schlussätzen seines Statements begründet der Ex-Verteidigungminister seinen Abgang der Politik auch damit, dass er seinen Charakter nicht verändern wolle – vielleicht hätte er gerade das nötig.

 



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