Vordergrund-Hintergrund: Tunesien

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Vordergrund: Die Menschen gehen auf die Straße, sie rufen: Weg mit der Übergangsregierung, für mehr Demokratie in Tunesien. Sie stehen auf dem Platz vor dem Regierungsgebäude in der Hauptstadt Tunis und protestieren, streiken. Die Übergangsregierung verspricht reformen, doch den Demonstranten geht das nicht schnell genug. Bilder der Stadt zeugen von wochenlangen protesten. Was ist passiert?

Hintergrund: Alles beginnt mit der Selbstverbrennung des Gemüsehändlers Mohamed Bouazizi, der gegen die Willkür der Polizei und des Staates zu protestieren. In Folge dessen kommt es zu zahlreichen Solidaritätsbekundungen von Seiten der Bevölkerung, vor allem der Jugend, die zu einem Großteil gut ausgebildet, aber arbeits- und perspektivlos ist. Sie organisieren Streiks via Internetplattformen wie Twitter oder Facebook, erst lokal begrenzt, dann immer größer werdend. Doch je größer die Demonstrationen werden, desto mehr Leute nehmen Teil. Schon bald wird sie in allen Medien als Revolution des Volkes gefeiert. Diese werden nun meist nicht mehr spontan, sondern von Organisationen, wie z.B: den Gewerkschaften, organisiert. Die Demonstranten schaffen es den autoritär herrschenden Präsidenten Zine el-Abidine Ben Ali am 14 Januar zu vertreiben. Es wird eine Übergangsregierung eingesetzt, die eine neue Verfassung erarbeiten will und Neuwahlen zu organisieren versucht.

Vordergrund: Die westlichen Staaten stellen sich nun gegen die Diktatur in den Ländern und versuchen die Demokratie zu stärken. Sie frieren die Konten des Präsidenten ein und unterstützen die neuen politischen Struckturen in den Regionen. Doch das war nicht immer so.

Hintergrund: Noch vor drei Jahren schloss die EU eine Partnerschaft mit Tunesien, die das Land zu einem assoziierten Europas machte. Europa ist daher für Tunesien der mit großem Abstand wichtigste Handelspartner: Etwa drei Viertel der Einfuhren stammen aus Europa, und für 80 % der Ausfuhren ist Europa der Abnehmer. Frankreich, Italien und Deutschland sind, traditionell in dieser Reihenfolge, die bedeutendsten Handelspartner. Der Diktator wurde entweder in Frieden gelassen, oder politisch von jenen Ländern unterstützt. Druck für eine Demokratisierung gab es wenig bis garkeinen, doch trotzdem führt eben jene Partnerschaft zum Untergang des Regimes. Denn nur durch den Reichtum , der durch die Exporte und Importe im Westen gemacht wurde, konnte die Jugend gut genug ausgebildet werden, um zu erkennen, was der Vorteil einer Demokratie ist.


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