CD-Review: Fight The System

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Interpret: Crazy Anglos
Album: Fight the System
Land: USA (Georgia)
Jahr: 2007
Genre: Mischung aus Rap und Metal, genannt Rapcore

Der Nu Metal oder, in seiner härteren Form, auch Rapcore genannt, ist in Deutschland ja mittlerweile recht bekannt. Bands wie Linkin Park, Limpbizkit, Korn und Papa Roach kennen hierzulande viele Jugendliche. Die Kunst dieses Genres besteht darin, die zwei als nicht zu vereinbarenden geltenden Stile Metal und Rap zu etwas zu verbinden das erstens gut klingt und zweitens Anhänger beider Stile anspricht. Doch nicht nur die oben genannten bekannten Bands schaffen das mit Bravour, auch im Untergrund, vornehmlich dem amerikanischen, hat sich eine sehr große Rapcore-Szene gebildet, ihre Vorreiter sind unter anderem Bands wie (hed)p.e., Kottonmouth Kings und die Crazy Anglos.

Letztgenannte existieren seit 2005 und sind in den Staaten gerade auf dem Weg nach oben. Zwar nicht so steil wie manch andere Band, doch stetig bahnt sich die Fünferkombo aus Georgia ihren Weg aus der breiten Masse heraus. Ein wichtiger Helfer war und ist das Album "Fight the System", welches 2007 auf dem Label Atlantic Records erschien. Es beinhaltete 12 Songs und ist damit das umfangreichste Werk der Anglos.

Der erste Track Bombs zeigt auch gleich wofür die Band steht: Rap in verbindung mit Hardcore und gesungenen Refrains. Aggressiver Rap auf einen knalligen Schlagzeug- und Gitarrenbeat geben auch die Marschrichtung des Albums an, es wird laut und vor allem amerikakritisch. Die Jungs aus den Südstaaten kritisieren das Verhalten der Bush-Regierung in verschiedenen Konflikten. Das Lied beginnt mit einem kurzen, gescreamten Intro bevor John O'Leary, der Sänger der Band zeigt das er den im Rap so wichtigen Flow, also das halten des Taktes ebenso gut beherrscht wie sein singender Kollege Bryan Bozeman. Klasse Lied zum Auftakt.

Das zweite Lied Fight the System hat, wie könnte es anders sein ein ähnliches Thema wie Bombs, ist aber etwas anders aufgebaut. Wo der Opener noch auf sehr harte Strophen und einen ruhigen Refrain setzte, lässt Fight the System seine geballte Wut im Refrain frei, auch sogenannte "Gangshouts", also Teile des Stücks die das Publikum zum mitschreien animieren sollen, machen das Stück eine ganze Ecke aggressiver. Man stelle sich bitte 200 Menschen vor, die alle zusammen die Textzeile "Fight / F**k the System" mitschreien. Live muss diese Band eine ziemliche Macht sein, vielleicht kommen wir auch hier in Deutschland ja bald in den Genuss einer Tour. Fight the System eignet sich in jedem Fall als Titeltrack, sehr guter Song!

Nun wird es ruhig: Gitarrenklänge und ein beinahe flüsterndes Schlagzeug bilden den Auftakt zum dritten Lied, Lay Down. John und Bryan wirken in diesem Lied klasse zusammen, auch wenn es fast ausschließlich Rap und kaum noch Core ist, wirkt Lay Down absolut rund und in den Kontext passend. Textlich dreht es sich im verlogene Politiker und die Macht, die jeder Einzelne in sich trägt. Der Refrain besingt den Widerstand gegen Mächte, vor denen sich niemand beugen soll. Lyrisch kommt hier auf jeden Fall der Hardcore (und damit auch der Punk) durch, für mich ein großes Highlight der Platte.

Ruhig bleibt es auch in weiten Teilen von Train, auch wenn der Refrain, der gegen den Mainstream aufruft schon ein ordentliches Schlagzeug- und Gitarrenfeuerwerk abfeuert, die Strophen überzeugen durch ruhigen Rap, auch wenn das Lied nichts besonderes ist, ist es doch ein guter Song.

Das nächste Lied Light 'em up ist das erste in dem sogenannte "Doubletimes" vorkommen, also Rapzeilen die bei gleichem Takt mit doppelter Geschwindigkeit vorgetragen werden.  Ausserdem wird viel gesungen, was bei Bryans angenehmer Stimme auch gut zu hören ist, das Zusammenspiel mit seinen Kollegen stimmt, das Lied passt definitiv gut in den Gesamtkontext des Albums. Auch die Gangshouts sind wieder vorhanden, live ist das Lied sicher eine absolute Bombe.

Beim nächsten Lied, Bend, herrscht der Rock wieder über den Rap. Selbst wenn die Strophen wie so häufig gerappt sind, sind sie das auf einen grandiosen Beat der sehr knallig und erfrischend kommt, es macht richtig Spaß das Lied zu hören, da scheinbar nicht nur der geneigte Leser beim hören, sondern auch die Band Spaß beim einspielen der Platte hatte. Der Refrain ist einer der besten der Platte, das Lied eines meiner Highlights. Es bestärkt allerdings auch den Verdacht das die Anglos, wenn sie vermehrt auf Melodien setzen würden, schneller von einer Undergroundband zu etwas richtig bekanntem aufsteigen würden. Denn was hier geboten wird liegt weit, sehr weit über dem Durchschnitt des Genres. Grandioses Lied!

Die beiden folgenden Lieder Mista Mista und Crazy One waren die einzigen beiden des Albums, die bei mir einen etwas Merkwürdigen Nachgeschmack hinterließen. Viel zu groß sind hier die Parallelen zu Limpbizkit, Johns Stimme klingt leider viel zu häufig wie die von Fred Durst, dem Frontmann der besagten Band. Es sind gute Lieder, keine Frage. Doch wenn man sich schon etwas länger mit Nu Metal / Rapcore beschäftigt, hat man Lieder wie diese schon gehört. Leider.

Schnell zum nächsten Lied also, namentlich Goodbye. Zuerst fällt der sehr häufig auftretende Gesang auf. Einige Zwischenscreams und eine Strophe mal ausgenommen, besteht der Track nur aus Gesang. Das ist für sich schonmal gut und sorgt aufgrund der beiden vorangegangen Lieder nun für gute Abwechslung. Live ist dieses Lied sicher auch toll, ich will die Anglos jetzt endlich live sehen, es wäre mit Sicherheit ein Spektakel.

Und es wird mit Venomous wieder ruhiger, der Gesang bleibt jedoch. Ein Tatsache, die sicher nichts schlechtes heisst, das Lied wird auch nach x-maligem hören nicht langweilig, was eigentlich auch für das gesamte Album gilt. Und auch wenn bei Venomous das Schlagzeug und die Gitarre nicht viel zu tun bekommen, so ist es doch ein gutes Lied, bei dem der Text klasse zur Melodie und umgekehrt passt. Der Refrain lockert die minimal eintönigen Strophen gut auf, das Schlagzeug bekommt seinen Einsatz und die Gitarre später im Lied sogar ein Solo. Großartig, so muss das klingen!

Danach folgt Never Say Die, das mal etwas andere Strophen mitbringt. Die Gitarre spielt immer wieder eine einzige, hohe Tonspur, die sich durch das ganze Lied zieht und doch nicht eintönig wird. Der Refrain mit seinen Gangshouts kann sich in eine Reihe mit frühen Limpbizkit-Songs stellen, diesmal ist das im Gegensatz zu Mista Mista und Crazy One jedoch nicht schlecht und klingt abgekupfert sondern ist eine Bestätigung für das hohe musikalische Niveau dieser Bands, spielen Limpbizkit doch in der höchsten Liga des Rapcore.

Dann folgt auch schon (leider) das letzte Lied der Platte, ein absoluter Höhepunkt. Chosen entstand aus einem Jam mit Rehab, einem befreundeten Künstler und wow, das Lied setzt eine neue Definition für das Wort beruhigenden Rap. Ich fühle mich an frühe Songs von Snoop Dogg, an einige Lieder der Jedi Mind Tricks und an so manchen Track der Kottonmouth Kings erinnert. John bringt die erste Strophe auf eine Art hinter sich, bei der man sich fragt ob der gute Mann denn auch nochmal Luft holt. Der Refrain ist (wie die dritte Strophe) von Bryans Stimme ziemlich grandios gemacht. Und Rehab? Nunja, Rehab ist ein Rapper mit einer Stimme die sehr an den Musiker Tech N9ne erinnert. Ob man das rauhe darin mag oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen. Ich finde es großartig, genau diese Stimme und die Ruhe im Lied machen Chosen zu meinem Lieblingslied der Platte.

Alles in allem habe ich lange nicht mehr so ein grandioses Album wie Fight the System gehört. Was die fünf Jungs aus Georgia hier abliefern ist Rapcore auf allerhöchstem Niveau und dazu noch ziemlich abwechslungsreich. Ich hoffe das diese Jungs noch um einiges größer werden und so auch mal nach Deutschland kommen. Ich will nicht in die USA nur um ein Konzert dieser Band zu sehen. Obwohl...Wie auch immer. Das Album ist grandios, einzig und allein Mista Mista und Crazy One stören mich da sie zu sehr nach Limpbizkit klingen. Trotzdem gibt es verdiente 9.5 Punkte.



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