CD-Review: Gasturbinen

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Interpret:  typ:t.u.r.b.o.
Album: Gasturbinen
Land: Deutschland (Köln)
Jahr: 2009
Genre: Harte Electro-Beats und Rap-Texte

Aus Köln kommt die neue Hoffnung der deutschen Electro-Szene: typ:t.u.r.b.o., die mir ihrer ersten EP "Auf Nexus" die Kölner Club-Welt schon mächtig aufwirbelten, legten 2009 mit "Gasturbinen" ihr erstes Full-Length-Album aufs Parkett. Und verdammt, die drei Jungs aus Köln haben es echt drauf. Tanzbare Beats mit Texten die sich endlich mal nicht um Politik drehen und die man einfach gut feiern kann. Dazu ist diese Musik ja auch da. Im Jahre 2005 von Pat Panda und J-Cob gegründet, kam später noch Lionel Cutz dazu, damit war das Trio komplett. Doch genug zu der Band, widmen wir uns dein einzelnen Songs auf Gasturbinen, jeder für sich mit einem interessanten Text und abwechslungsreichen Beats.
Das Intro kommt klassisch daher, eine Computerstimme verkündet die Überlastung der Gasturbinen. Danach zeigen die drei Turbo-Typen auch schon was sie draufhaben. Ein recht aggressiver Electro-Beat kommt mit den "anderen" Stimmen von Pat Panda und J-Cob daher. Die drei stellen sich gleich mal vor und sagen was sie tun: "Ich mach elektronische Musik und sonst nichts, das ist gut so, deshalb heisst die Band auch typ:t.u.r.b.o.". Electro meets HipHop, nichts anderes.

Das erste richtige Lied, Unbekanntes Flugobjekt, erzählt vom Traum eines Protagonisten der jedes Jahr von Aliens entführt wird, diese Aliens sind allesamt typ:t.u.r.b.o.-Fans und drohen, den Planeten Erde zu zerstören wenn ihnen der Protagonist nicht den Weg zur "Turbo-Energie" zeigt, die von den drei Jungs aus Köln auf ihren Konzerten. Die Aliens kaufen sich sogleich ein paar CD's und schwirren dann davon. So großartig, so verrückt ist dieser Text, so gut kann man einfach auf ihn tanzen. Keine politischen Inhalte sondern einfach nur tanzbarer Electro. So muss das sein, der Beat knallt gut und hat einen guten Rhytmus.

Showgirls, das nächste Lied , legt den Focus wieder mehr auf den Electro und weniger auf den Text. Eine Melodie, die sich gut durch das Lied zieht (und die Menschen auf die Tanzfläche) mischt sich hier mit Bässen, die eigentlich Anhänger jeder Musikrichtung dazu bewegen sich zu bewegen (haha, was für ein Wortspiel!). Mehr gibt es zu diesem Lied nicht zu sagen, wie alles andere von typ:t.u.r.b.o. Electro auf hohem Niveau.

Beim Lied Turbodisco zeigen die Turbo-Typen das sie Vielseitigkeit beweisen. Electro-Trash wie in den 80ern und trotzdem doch mit modernen Akzenten. Viele werden das mögen, ich mag ihre Songs mit neueren Akzenten trotzdem lieber.

Medizin kommt wieder mit einem geradliniegen Beat und einem deutlichen Text. Dieser ist wie gewohnt unpolitisch und behandelt eher das Feiern an sich, alles an sich ist einfach rund. Eine Anleitung zum feiern von den drei Jungs persönlich: "Turbo, turbo, Hände heben, dieser Sound ist Medizin". Ich habe unpolitische Texte dieser Art vermisst, selten konnte man zu Electro mit einfachen Texten so gut feiern. Typ:t.u.r.b.o. empfehlen sich wirklich für größere Parties.

Und nun wird es französisch: é-moi. Das Intro wird von einer netten, französischen Dame präsentiert, die die Band noch einmal vorstellt. Das Lied ist ungefähr der größte Ohrwurm des Albums. Selten ging eine Melodie so schnell in den Kopf wie es diese tut. Und selten war ein Electrobeat so mitreißend. Man will einfach nur tanzen. Und das macht dieses Lied so unglaublich stark!

Satisfaction zeigt das in Köln neben Deutsch und Französisch anscheinend auch Englisch gesprochen wird. Denn in dieser Sprache wird die Hook präsentiert, mit der zumindest dem Autor dieser Zeilen seit ein paar Tagen den ganzen Schulhof nervt. Neben seiner Eigenschaft, ein Ohrwurm zu sein präsentiert sich das Lied als wirklich gelungene Mischung aus Rap und Electro. Wo sonst eher einer der beiden Bereiche vorherrscht, erreicht das Zusammenspiel der beiden Elemente hier schon fast Deichkind-Niveau. Die Kölner Band hat aber den Vorteil der besseren Stimmen auf ihrer Seite, gewinnen so im direkten Vergleich. Zumindest bei diesem Lied.

"Meine Liebe fließt in Worte und verbrennt in Gasturbinen". Dito. Ein Lied das den Focus eher auf den Rap-Bereich legt und trotzdem mit einem schönen, soften Electro-Beat daher kommt. Ein gutes Lied, wenn man vom tanzen erschöpft ist und einfach eine kleine Pause braucht. Hier heisst es einfach "Augen zu und durch", denn so erlebt man dieses Lied am besten.

Und schon wieder ein Lied mit französischen Inhalten, allerdings verweist Amoureux deutlich eindeutiger auf das wunderbare Thema Sex, denn hier hat der Protagonist ziemlich ausgedehnte Liebe mit einem französischen Mädchen am laufen. Die musikalische Untermalung geht klasse ins Ohr, man sollte jedoch vorsichtig sein wenn man Textzeilen dieses Liedes laut in der öffentlichkeit singt. Ich spreche aus Erfahrung. Die Blicke sind zwar gold wert, doch wenn einem diese Blicke helfen aus sich herauszubrechen: dann heisst es nur noch: "T.u.r.b.o.liebe"

Mit recht minimalem Electro und einer nach Bandansage klingenden Stimme begrüßt Pat Panda die Hörer zum Lied Sich Rabbit (Reloadet). Sehr ruhig, sehr minimal gibt sich dieses Lied, die Stimme klingt zwar etwas eindeutig, doch das ist gewollt. Inhaltlich lässt das Lied Interpretationen vom anprangern der Internetsucht einiger Turbotypen bis hin zum einfachn Partytext zu, wie man es dreht und wendet, es passt alles.

Eigenlob stinkt ja bekanntlich, doch irgendwo ist es bei Typ:t.u.r.b.o. berechtigt. Oder klingt die Textzeile "Die Texte die ich schreibe sind ganz genau mein Ding, nur weil meine Stimme auf Electrosound so geil klingt" für euch nicht nach überzogenem Eigenlob? 1000 Farben ist jedenfalls wieder ein Lied über das im Electro so altbekannte Thema Drogen in Verbindung mit Musik. Sehr kreativ beschreiben die drei Jungs hier einen ganz normalen Rausch, man kann es sich sehr gut vorstellen wenn man (noch einmal) die Augen schliesst und das Lied einfach auf sich wirken lässt. Ausprobieren ist angesagt!

Das letzte Lied, Assmachine, ist wieder ein absolutes Partylied. Die Aufforderungen der Turbotypen aus Ehrenfeld sich zu bewegen, zu tanzen und die Hemmungen einfach mal fallen zu lassen kann man hier wieder ruhig ernst nehmen. Ein schönes letztes Lied.

Fazit:
Wer auf tanzbaren Electro steht, wird typ:t.u.r.b.o. lieben. Wie kaum eine zweite Band schaffen es die Kölner die Meute zu bewegen, was bei ihren Liveauftritten immer wieder deutlich wird, welche einfach großartig und wirklich intensiv sind. Ich hoffe zwar, das diese Jungs noch um einiges größer werden, hoffe aber gleichzeitig aber auch das sie sich ihrer Wurzeln besinnen und weiterhin jeden Monat in Köln eine Party mit ihrem Liveauftritt veredeln. Mit Gasturbinen ist der Berühmtheit jedenfalls ein großer Schritt gelegt, es ist einfach ein großartiges Album, das es sogar schon ab 10€ zu kaufen gibt. Kauft es euch einfach und supportet damit die Jungs, das Album verdient es.
Ich gebe verdiente 9,5 von 10 Punkten.


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