Von vergessenen Völkern

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Was haben die Inka, die Spanier und Pyramiden gemeinsam? Sie sind alle Teil eines exklusiven Vortrags gewesen, welchen die etwa 15 Jungen und Mädchen der Peru-AG zu hören bekamen.

Der erfahrene Perureisende Hartmut Kamp, der selber ein Jahr in Peru gelebt hat, hielt einen kurzen Vortrag über die verschiedenen Völker, die in Peru vor den Inka lebten. Er begann den Vortrag mit einer kleinen Einführung:

In der Epoche der Renaissance (französisch: „Wiedergeburt“, ca. 1300- ca. 1600) gab es viele Umbrüche in der Denk- und Lebensweise der Menschen. Das lag zum einen an verschiedenen historischen Ereignissen (beispielsweise wurde Konstantinopel 1452 von den Osmanen erobert), zum anderen an der Wiederentdeckung und Weiterentwicklung antiker Philosophien. Es wurden auch viele Erfindungen gemacht, wie bessere Sternkarten oder der Buchdruck. Der Entdecker, der auch zu der Zeit, 1492, versehentlich in Amerika landete, hieß Christoph Columbus. Er dachte, er habe einen neuen Weg nach Indien gefunden, aber ziemlich schnell stellte man fest: Dieses Land war ganz unbekannt. Schon bald unternahm man erste Erkundungen und das Gerücht, es gebe viel Gold, lockte viele Abenteurer an, die erst Mexiko, dann Nordamerika und schließlich auch Peru erkunden wollen. Einer dieser Entdecker war Francisco Pizarro, der das Inkareich, welches damals in der dortigen Gegend existierte, auf brutale und hinterhältige Weise eroberte. So viel zu dem Ende der Inkas. Was war denn vor ihnen?

Vor den Inkas gab es eine ganze Reihe von Völkern:

Das erste bekannte lebte in einer Stadt mit dem Namen Caral, welche vor etwa 5000 Jahren erbaut wurde. Die Einwohner von Caral errichteten die ersten Pyramiden zu Ehren der Götter, welche bei ihnen Sonne, Mond und Sterne waren. (Zu dieser Zeit erbaute man auch in Ägypten Pyramiden, nur waren das Grabstätten.) Die Stadt war in zwei Bezirke aufgeteilt: in die Oberstadt, wo die Tempel standen und die Priester lebten, und in die Unterstadt, wo die Bauern und Handwerker waren. Sie bauten vor allem Mais und Chili an und legten dafür komplexe Bewässerungssysteme an. Archäologische Befunde deuten darauf hin, dass die Stadt im 16. Jh. plötzlich aufgegeben wurde; als Ursache vermuten einige Wissenschaftler klimatische Veränderungen.

Daraufhin gelangte ein neues Volk zur Blüte: die Moche.

Die Moche waren ein äußerst modernes Volk: Sie beherrschten bereits die Metallverarbeitung und hatten komplexe Kommunikationssysteme mit Hilfe von Muschelhörnern aufgebaut. Nur hatten sie noch kein Rad, eine Eigenschaft, die viele der indianischen Völker charakterisierte. Sie bauten ebenfalls Pyramiden, allerdings Schicht für Schicht übereinander: In jeder Schicht lag ein anderer König begraben. Um so eine Pyramide herum entstand eine der größten Tempelstädte der Welt, Tukume. Der dort angebetete Mondgott war auch der Hauptgott der Moche. Die benötigten Ziegel für die Tempel wurden von den umliegenden Dörfern, teils prachtvoll verziert, geliefert. Die Moche gingen im Zuge der Eroberungen durch die Chimus zugrunde.

Ein Volk, welches ihnen lange Widerstand leistete, waren die Chachapoyas.

Die Chachapoyas lebten in den Bergen und verteidigten sich viele Jahrzehnte lang gegen die Chimus. Ihr Heiligtum lag in einer Höhe von dreieinhalbtausend Metern, und selbst dort gab es noch immer Landwirtschaft. In Erinnerung geblieben sind sie uns aber vor allem auf Grund des höchsten Wasserfalls der Welt, welchen sie selber angelegt haben.

Die Chimus bauten riesige Städte an Flussmündungen. Ihr Reich reichte von Ecuador bis Chile und wurde (offiziell) von einem Kinderkönig regiert. Hauptgott der Chimus war der Gott der Erde. Kinderkönige wurden deshalb eingesetzt, da man der Meinung war, dass Kinder aufgrund ihrer geringen Größe eine besondere Beziehung zur Erde hätten und darum erleuchteter als erwachsene Menschen seien. Außerdem bauten die Chimus eine der größten Städte der damaligen Welt, die 20 Quadratkilometer groß war, von Mauern eingeteilt wurde und Chan Chan hieß. In ihr lebten bis zu 120.000 Menschen, was selbst größer war als die Städte Europas zur damaligen Zeit (ca. 1000 - 1450 n. Chr.). Die Stadt ist auch noch heute gut erhalten und kann besichtigt werden. Die Chimus lebten in einer der heißesten Wüsten der Welt und hatten daher komplexe Systeme zur Bewässerung ihrer Pflanzen angelegt; so kannten sie schon die Methode der Tropfen-Bewässerung, die auch den Untergang ihrer Kultur überlebte und sogar nach Europa exportiert wurde. Das Ende trat ein infolge eines Jahrzehnte langen Kriegs gegen die Inkafamilien, wovon riesige Gräberfelder zeugen. Die Inka sabotierten um das Jahr 1450 das Bewässerungssystem der Chimus und legten es trocken. Was aus der letzten großen Kultur, den Inkas wurde, wurde bereits erwähnt.

Begleitend zu seinem Vortrag zeigte Herr Kamp Fotos von Ausgrabungen, Ruinen und Traditionen, die bis heute überlebt haben. Zum Schluss erzählte er noch, dass leider nur sehr wenig über die verschiedenen Völker bekannt ist und dass es immer noch sehr schwer sei, in den Ländern Ausgrabungen durchzuführen.

Der Vortrag war alles in allem sehr informativ und gut gehalten. Man konnte allen Details folgen und zusammen mit den Bildern wurde er zu einem eindrucksvollen Erlebnis für alle Zuhörer.



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