Typische Geschichtsstunde, Montag Morgen, Schaaf

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Wir schreiben einen (noch) friedlichen Montagmorgen irgendwann im Schuljahr 2010 / 11. Die Zeit? Ungefähr 10 vor 8. Das ganze Beethoven-Gymnasium liegt in stillem Frieden an seinem, seit Jahren angestammten Platz am Rhein. Das ganze Beethoven-Gymnasium? Nein! Denn im zweiten Stock des Aulagebäudes ist eine schon mit den Vorbereitungen auf die gleich folgende Doppelstunde Geschichts-LK beschäftigt: Frida Schaaf, der Schrecken der Schüler, der menschenfressende Drache. Die Lehrerin, welche von vielen ihrer Schüler als die sowohl kompetenteste und zugleich als die furchteinflößendste  beschrieben wird. Welche Schrecken wird ihr die Zeit bis 9:30 Uhr wohl heute bieten? Nicht gemachte Hausaufgaben? Ein unmotivierter LK? Schwatzende Schüler die mit ihren Köpfen entweder bei der noch zurückzugebenden Klausur oder im Wochenende hängen? Pah! Alles kein Problem für Frau Schaaf. Uralte Legenden unter den Schülern sprechen von Blitzen in Frau Schaafs Augen während sie sich überlegte wie sie ihre Schüler heute bestrafen könne, im schlimmsten Fall sich sogar um das wohlbehaltene Aufkommen dieser Schüler auf der naheliegenden Bundesstraße 9.
Verlassen wir Frau Schaaf in ihrem Raum für einen Moment und wenden wir uns dem Kurs zu, welcher dort in aller Ruhe schwatzend die Treppen heraufsteigt und im Kopf weitaus anderes hat als den Rousseau'schen Gesellschaftsvertrag oder die Rolle der Hugenotten während der französischen Revolution. Nein, dieser Kurs macht nicht den Eindruck des fleißig arbeitenden LK's, an den man bei diesem Wort so gerne denken mag. Das alles ändert sich auch nicht als der Kurs die dunklen Wolken über dem ehemaligen Raum 2.27 aufziehen sieht, welche sich dort zusammenbrauen. Die ersten Schüler betreten den Raum, setzen sich und werden von unserem Drachen sofort mit den Worten "Max, auch wenn Claas noch nicht da ist...SIE sitzen nicht auf diesem Platz" oder auch "Tobias, was haben Sie an diesem Wochenende getrunken das sie sich einbilden, dort sitzen bleiben zu können" sofort an einen anderen Platz gescheucht. Ein Blick in den Kurs sagt Frau Schaaf das die ständig wiederkehrenden Querelen um die Platzwahl ihrer Schüler nicht der einzige Kritikpunkt an diesem Tag bleiben wird. Und sie sollte Recht behalten. Nach dem obligatorischen "Meine hochverehrten Damen und Herren, bitte wiederholen sie Ihre Hausaufgaben in den nächsten 4 Minuten und 46 Sekunde im absoluten Stakkatostil" setzt sich Frau Schaaf an ihr Pult und wartet auf die ersten Opfer, will meinen Zu-Spät-Kommende. Das sich diese dann von der Strafpredigt des Generals am Pult selten aus der montagmorgendlichen Ruhe bringen lassen, bringt wiederum Frau Schaaf aus der Ruhe: "Kinners, wenn ich ihre Abiturentlassung hinter mir habe werde ich entweder einen trinken oder mich aufhängen. Vielleicht auch beides". Harte Worte.
Als die Zeit, in der viele Schüler die "Wiederholung" der Hausaufgaben zur sinnvollen "Ergänzung" ihrer "Notizen" nutzen, vorbei ist, steht Frau Schaaf vor dem Kurs und blickt eben diesen fragend und zugleich vorwurfsvoll an: "Wollen sie mir wirklich erzählen das das alles ist? Gut, dann mach ich halt mit drei Schülern Unterricht, es ist ja Ihre SoMi-Note" sind keine seltenen Worte.
Dieser Unterricht verläuft die nächsten Minuten mehr oder minder ungestört und ruhig, müssen die Schüler doch erst aus ihrer montäglichen Schockstarre erwachen bevor sie sich den geballten historischen Ausführungen ihrer Stufenleiterin und Geschichtslehrerin stellen können. Diese Zeit tritt bei den meisten gegen Mitte der zweiten Stunde (also so gegen 5 nach 9) ein, was Frau Schaaf regelmäßig zur Verzeiflung bringt, ihre Schüler (von denen sie einige sogar noch in der folgenden Doppelstunde Religion wiedersehen soll) macht es jedoch wach und (teils sogar) aufmerksam. Ein voller Erfolg, bedenkt man das bei Durchführung der im Stundenverlauf angedrohten Strafen drei Viertel von ihnen nicht mehr leben dürfen.
Als es schlussendlich 9:30 zur Pause schellt, hinterlässt dieser von Frau Schaaf oft mehr oder weniger liebevoll genannte "Chaos LK" diese in tiefer Trauer, fast schon Agonie. Diese währt allerdings nur bis zur nächsten Stunde wenn es wieder heisst: "Wiederholen sie diese drei Quellen jetzt, sofort und pronto, Herrschaften". Auch dann wird sich diese Gemeinschaft von Menschen, die sich unter dem Decknamen "LK" zusammenschloss wieder vereinen und leiden, allerdings ebenso viel lernen.



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