Schule - egal?!

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Es gibt sinnlose Artikel. Dieser ist so einer. Denn es wird sich keiner davon angesprochen fühlen. Es liegt am Thema, dem einzigen Thema, das alle gut finden und bei dem keiner mitmacht. Es geht um Engagement in der Schule. Und warum ich enttäuscht bin.
Im Grunde genommen ist die Idee von Engagement und freiwilliger Beteiligung zum Wohle aller keine schlechte Idee: Man hilft, dass AGs funktionieren, dass Sommerfeste organisiert werden und dass die Schüler vertreten werden. Alle sind glücklich, alle machen mit, und am Ende ist die gesamte Schule ein besserer Ort. So weit zur Theorie. Doch was häufig verschwiegen wird, sind die dunklen Seiten des Ehrenamts, besonders in der Schule:

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Zu allererst sei der fehlende Respekt für das ehrenamtliche Engagement zu nennen: Es gibt nichts, was mehr Frust erzeugt, als eine AG zu leiten und dafür ausgelacht zu werden. Besonders auffällig sind da die Klassen 7 bis 10, wo es teilweise als nicht zeitgemäß gilt, etwas für das Gemeinwohl zu tun. Die Theater-AG erfreut sich einiger Beliebtheit, aber sobald das Wort Schülervertretung oder Schach-AG auch nur fällt, wird gelächelt, im schlimmsten Fall wird gespottet und ausgelacht. Respekt kommt häufig nur von den Lehrern, was aber für den engagierten Schüler häufig wieder bedeutet: Hänseleien! Er gilt als privilegiert, als Lehrerliebling. Die perfekte Zielscheibe.

1gruenes_kreuz_bigZweitens ist dann da ja noch der Zeitaufwand: Als Chefredakteur dieser Schülerzeitung verwende ich ca. 7 Stunden zusätzlich zur Schule und zu anderen Hobbies, um diese Zeitung zu fördern. Mittlerweile bin ich der Meinung, dass es vergeudete Zeit ist: Der Dank ist gering, die Klausuren bekommen nicht immer die nötige Aufmerksamkeit. Das ist schädlich für meine Schullaufbahn, daher ein weiterer Grund auf der Negativliste.

Drittens ist dann noch die Beteiligung: Es ist unglaublich, wie niedrig das Interesse vieler Schüler an Bildung und an der eigenen Schule ist. Als gutes Beispiel dient die Kult(ur)-AG, die nie zustande kam. Dabei lag das nicht etwa an dem mangelnden Engagement der SV, sondern an dem Desinteresse der Schüler. Warum sich auch bilden, doof sein ist doch angenehmer. Der Frust und die vergebliche Mühe der Organisatoren muss man sich nicht antun. Glaubt es mir. Fangt gar nicht erst an. Ihr kriegt ohnehin keine Note dafür.

Nicht zu vergessen sei viertens noch die Schule an sich: Warum etwas fördern und unterstützen, wo ich hin muss? Viele Schüler sehen das ganz einfach: Schule ist ein Ort, da muss man hin, aber man bleibt auf keinen Fall länger als nötig. Und funktionieren? Soll sie doch zum Teufel gehen, nur acht Jahre und ich bin weg, Warum sie dann unterstützen, ich hab ja im Endeffekt nichts davon. Solidarität? Ein schönes Wort, später mal, woanders.
sv 2.0Machen wir ein Gedankenspiel: Wir stellen uns vor, jeder macht nur noch das, was er machen muss: Zu allererst würden wir das Fehlen der SV bemerken. Und was bedeutet das? Es hat doch sogar etwas Entspannendes: keine Oberstufenschüler mehr, die sich den ganzen Tag in einem versifften Raum räkeln können und von den Lehrern eine Sonderbehandlung bekommen. Es gäbe dann auch keine Sommerfeste mehr, aber das ist ja nicht weiter schlimm: Wer will schon im kalten, meist etwas regnerischen Spätsommer gerne draußen so einen blöden Stand betreuen? Stattdessen könnte man sich einen entspannten Tag machen, man müsste nicht viel Unterrichtszeit auf die Organisation des Ganzen verwenden.
Eine andere Sache, die auch fehlen würde, wäre diese Schülerzeitung: aber mal ganz ehrlich, was bringt es schon, die Möglichkeit zu haben, etwas „zu verändern“ oder seine Meinung zu sagen? Kein Interesse. Werden wir schon nicht vermissen.
Dann fehlen auch noch die Theater-AG, der Chor und das Orchester: Super! Keine nervigen Durchsagen, wie toll diese oder jene Aufführung, die man nicht gesehen hat, wieder war. Keine Werbeflyer, die alle Säulen zuplakatieren und zur nächsten Aufführung einladen. „Scherzveranstaltungen“ wie die Peru-AG oder eine Sportmannschaft wären dann Geschichte. Was machen die überhaupt?
Das einzige, was man vielleicht vermissen würde, wären die Sanitäter, aber auch nur dann, wenn man sie mal braucht. Sonst machen die ja nichts.

Also, es ist ganz klar: Engagement ist dämlich, sinnlos und frustrierend, besonders an der eigenen Schule.

Wirklich?

Beim Erstellen dieser Ausgabe hat die Redaktion mich eines Besseren belehrt. Sie haben viele Gründe für Engagement genannt, darauf hingewiesen, was getan werden muss, damit das Zusammenleben in der Schule funktioniert, und einige Orte aufgezählt, an denen auch an unserer Schule das Engagement blüht. Diese Ausgabe ist der Grund, warum ich Redakteur geblieben bin. Ich hoffe, Ihr stimmt mir nach der Lektüre zu: Engagement lohnt sich.


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