Betriebspraktikum in der 11 - Fluch oder Segen?

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Vom 19.- 31. Januar war es mal wieder soweit: Das Betriebspraktikum der Jahrgangstufe 11 fand statt. Welche Erfahrungen wurden gesammelt, und was kann man den 10ern für nächstes Jahr raten? Ich habe mich bei der Organisatorin an unserer Schule, Frau Dickob- Rochow, und einigen 11er- Schülern umgehört.

Das Praktikum am BG hat Tradition, so viel ist schon einmal klar. Seit 23 Jahren, so berichtet Frau Dickob- Rochow, können die Schülerinnen und Schüler der Stufe 11 zwei Wochen außerhalb der Schule Erfahrungen sammeln: „ Der ehemalige Schulleiter, Herr Dr. Kötting, war hier sehr initiativ, ihm lag überaus viel daran, ein solches Praktikum an unserer Schule einzuführen. Geändert hat sich bei der Durchführung seitdem relativ wenig.“ Warum auch, es scheint sich ja bewährt zu haben. Doch ist es im Zeitalter der Reformen nicht auch sinnvoll, selbst das Praktikum einmal zu hinterfragen? Denn schließlich gibt es auch Gegenargumente: Lehrer klagen z.B. über den Unterrichtsausfall, ein Praktikum könne man schließlich in den Ferien machen. Ich habe mir gedacht, ich frage einmal bei denen nach, um die es eigentlich geht: bei den Schülerinnen und Schülern der Stufe 11, die vor kurzem ins kalte Wasser geworfen wurden.

 

Mir hat mein Praktikum gut gefallen:


Jannis Koltermann, Friedrich- Ebert- Stiftung (FES):

„Mein Praktikum hat mir hervorragend gefallen! Ich war im Historischen Forschungszentrum der FES in der Forschungsabteilung „Sozial- und Zeitgeschichte“, und auch wenn das zuerst nur der „Notnagel“ war, im Nachhinein hätte ich mir kaum einen besseren Platz vorstellen können. Ich musste von 9:30 Uhr bis 17:00 Uhr in meinem eigenen Büro sein und erfüllte in dieser Zeit Aufgaben wie Recherchieren, Bücherlisten erstellen und Fotos für einen Fotoband aussuchen. Auf Wunsch ließ mir meine Betreuerin allerdings auch Zeit für andere Dinge, wie z.B. einfach in der Bibliothek zu lesen, und ich war oft in Besprechungen dabei. Einen Tag lang wohnte ich auch einer Zeitzeugenveranstaltung bei. Für Geschichts- und Politikinteressierte ist dieser Platz also sehr zu empfehlen, ich habe überaus viel über Forschungsarbeit und auch über Politik und Geschichte gelernt und wäre gerne länger dort geblieben.“

Max Böckel, Staatsanwaltschaft Trier:

„Das Praktikum habe ich über meinen Onkel, der dort arbeitet, bekommen, und es hat sich gelohnt. Ich konnte in alle Tätigkeitsbereiche einer Staatsanwaltschaft mal „reinschnuppern“, vom Pförtner bis zum Staatsanwalt, und ich muss sagen, das ist gar nicht so ein trockener Bürojob, sondern man kommt auch viel raus. Ich war immer von 8-16 Uhr dort und habe einen tollen Einblick in die Berufswelt bekommen. Trotzdem war ich froh, wieder in die Schule zu kommen - aber nur wegen meinen Freunden!“

Anna Keding, „Forum Gelb“, Kundenbindungsunternehmen der Deutschen Post:

„ Forum Gelb organisiert Veranstaltungen für Großkunden der Deutschen Post, sodass ich einen Einblick ins Veranstaltungsmanagement bekommen habe. Da Forum Gelb aber auch eine Zeitschrift für die Kunden herausgibt, habe ich auch etwas über die Arbeit einer Redaktion gelernt. Ich musste von 9-16 Uhr arbeiten, und es hat mir viel Spaß gemacht, da alle sehr nett zu mir waren. Trotzdem möchte ich in meinem späteren Job ein bisschen mehr mit Menschen zu tun haben!“

Johanna Güth, Arztpraxis einer Allgemeinmedizinerin:

„Das Praktikum war sehr spannend, da ich die meiste Zeit mit in die Sprechstunde gehen durfte und so viel über den Beruf des Hausarztes erfahren konnte. Ich war in der Regel von 9-15 Uhr dort und würde diesen Platz auf jeden Fall weiterempfehlen!“

Henrike Hermani, Veranstaltungstechnik im Maritim Hotel Bonn:

„Ich würde der Zeit eindeutig eine 1 geben, da ich mit einem sehr netten Team gearbeitet habe und auch viel selbstständig machen durfte!“


Bei mir war das Praktikum ok:


Andreas Lissai, Commerzbank:

„ Mein Praktikum war größtenteils langweilig, weil ich nichts zu tun hatte, aber einige Momente waren auch interessant. Also eine Woche fand ich noch in Ordnung, aber dann wurde es zu eintönig: fast die ganzen 7 Stunden rumstehen und nichts machen, nur hin und wieder eine Aufgabe erledigen.“




Marie-Christine Schwalb, Rheinische Landeskliniken:

„Ich habe viel mit behinderten Kindern zu tun gehabt, es hat mir Spaß gemacht und ich habe sehr viel gelernt. Trotzdem war ich froh, wieder in die Schule gehen zu können, und würde dort nicht arbeiten wollen, weil mir das doch zu einseitig ist!“


Ich hätte lieber auf diese Zeit verzichtet:


Artur, Autohaus:

„Mir hat das Praktikum keinen Spaß gemacht, es war leider ziemlich langweilig und die Arbeit monoton. Die Mitarbeiter waren anfangs zwar nett, aber nach einiger Zeit waren sie genervt von mir und ich von ihnen, weil ich sozusagen nur die Drecksarbeit verrichten musste - der Höhepunkt war Abspülen am letzten Tag!Deshalb habe ich die Schule vermisst, obwohl ich in den zwei Wochen ein bisschen länger schlafen konnte. Von einer Arbeit in der Automobilbranche kann ich nur abraten.“


Auch wenn diese kleine Meinungsumfrage natürlich nicht repräsentativ ist, so zeigt sie doch auf, dass und inwiefern das Praktikum von vielen Schülern als Bereicherung empfunden wurde. Eine große Mehrheit würde sich wohl für den Erhalt dieser 2 Wochen Berufserfahrung aussprechen. Damit einem nicht so etwas wie Artur Gomer passiert, rät Frau Dickob-Rochow, „sich so früh wie möglich um einen Praktikumsplatz zu kümmern und sich mit denjenigen, die im Praktikum waren, auszutauschen, damit man von deren Erfahrungen profitieren kann.“ Ich selber kann nur bestätigen, dass man sich schnell bewerben sollte: Als ich im November beim WDR anrief, waren die Plätze schon seit April weg!

„ Denn leider ist eine immer geringere Selbstverantwortlichkeit bei den Schülerinnen und Schüler festzustellen, “, kritisiert Frau Dickob-Rochow, „das heißt, dass die Anzahl der Schüler, die sich erst in letzter Minute um einen Platz kümmern, die das Formular über einen Praktikumsplatz nicht abgeben, die nicht mitbekommen, dass es eine Vor- und Nachbereitung gibt und dass man einen Praktikumsbericht abfassen soll und so weiter, immer größer wird.“Allerdings, mildert sie ihre Kritik selbst ab, seien die meisten Betriebe mit dem Einsatz, den die BG-Praktikanten dann zeigen, sehr zufrieden. Und bisher hat schließlich noch jeder einen Platz bekommen, zur Not beim Hausmeister unserer Schule!

Und so kann ich ihr Fazit nur unterstreichen: „Das Betriebpraktikum in der 11 ist eine ganz wichtige Einrichtung an einer Schule. Sie fördert die Selbstständigkeit der Schüler und ermöglicht ihnen einen Einblick ins Berufsleben und ggf. auch erste Hinweise für die spätere Berufswahl.“

Also, muss das Betriebspraktikum am BG reformiert werden? Ich glaube, ich spreche den meisten Absolventen aus dem Herzen, wenn ich antworte: „ Ein klares Nein!“

Und allen zukünftigen 11er-Schülern rate ich: „Nutzt diese Superchance!!!“



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